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Tierpark Bern

Interview mit Frau Dr. Friederike von Houwald


Der Tierpark Bern ist für viele Menschen ein Ort der Begegnung mit der Natur

mitten in der Stadt. Welche Rolle soll ein moderner Tierpark heute in unserer

Gesellschaft spielen?

Getreu nach dem Motto «Wir schützen nur, was wir lieben» agiert auch der Tierpark

Bern. Der Tierpark Bern möchte die Lebensräume der Tiere schützen und den

Menschen die Bedeutung der Natur näherbringen. Wer die Natur liebt, möchte sie auch erhalten. Der Tierpark ist für viele Besucherinnen und Besucher ein geschätzter Ort der Begegnung und Erholung.

Moderne Zoos können den Menschen Möglichkeiten aufzeigen, sich für Natur und

Artenschutz zu engagieren. Besonders wichtig ist uns dabei auch der regionale Artenschutz. Dank des grosszügigen kostenlosen Zugangs zu rund zwei Dritteln der Anlagen des Tierparks Bern erreichen wir jährlich knapp drei Millionen Menschen.


Welche aktuellen Themen oder Entwicklungen prägen die Arbeit des Tierparks derzeit besonders stark (Stichwort Nachhaltigkeit, Biodiversität)?

Die Betriebsgebäude sind veraltet und bedürfen einer umfassenden Sanierung.

Auch der Fussgängerweg hinunter zu den Anlagen an der Aare ist sehr steil. Die

Abstimmung der Stadt Bern über die Zonenplanänderung wird im Juni 2026 wegweisend für die Zukunft des Tierparks Bern sein.

Unser Ziel ist es, den Tierpark Bern moderner und barrierefreier zu gestalten.


Viele Tiere leben in komplexen sozialen Strukturen. Lassen sich daraus Erkenntnisse

für menschliche Zusammenarbeit oder Teamwork ableiten?

Der Mensch ist das einzige Lebewesen, das nicht immer nachhaltig mit seinen

Ressourcen umgeht. Ein Wolf beispielsweise jagt nicht weiter, wenn sein Magen voll ist. Wir Menschen hingegen verzichten oft nicht gerne und leben teilweise über unsere Verhältnisse.

In der Natur reguliert sich vieles automatisch: Ist weniger Nahrung vorhanden, gibt es auch weniger Nachwuchs. Die Natur zeigt uns, wie wichtig ein verantwortungsvoller Umgang mit Ressourcen ist. Vielleicht könnten wir Menschen uns hier das eine oder andere Beispiel an der Tierwelt nehmen.


Im Rahmen unserer Zusammenarbeit durften wir eine Tierpatenschaft für den

UHU übernehmen. Viele Kulturen verbinden mit dem Uhu Eigenschaften

wie Weisheit oder Überblick. Gibt es überraschende Fakten über sie, die viele

nicht kennen?

Die Kopfdrehung von bis zu 270 Grad ist anatomisch etwas ganz Besonderes und in dieser Form in der Tierwelt einzigartig. Uhus beobachten ihre Umgebung permanent.

Zudem ermöglichen die speziellen Schwungfedern den lautlosen Flug, was sie zu hervorragenden Jägern macht. Auch ihr Gehör ist aussergewöhnlich: Die Ohren sind leicht versetzt und befinden sich nicht auf derselben Höhe. Dadurch können Uhus Geräusche räumlich wahrnehmen und selbst Mäuse entdecken, die sich bis zu 30 Zentimeter unter einer Schneedecke befinden. Diese Fähigkeiten zeigen, wie perfekt sie an ihren Lebensraum angepasst sind.


Tierpatenschaften sind für viele Menschen eine Möglichkeit, sich für Tiere zu

engagieren. Welche Bedeutung haben sie für den Tierpark, und gibt es eine

besonders berührende Geschichte einer Patin oder eines Paten, die Sie mit uns

teilen möchten?

Patenschaften sind wichtig für die Tierhaltung und unterstützen uns bei

Futter, Pflege und dem Unterhalt der Anlagen.

Am letzten Tierpatentag gab es eine Begegnung, die mir besonders in Erinnerung

geblieben ist: Ein etwa siebenjähriger Junge besuchte den Tierpark gemeinsam

mit seinem Götti. Er ist ein grosser Fan der Papageientaucher und brachte

sogar seine drei Papageientaucher-Plüschtiere mit. Es war ihm wichtig, ihnen die

«anderen» Papageientaucher im Tierpark vorzustellen.


Besonders berührt hat mich, dass ich ihm exklusiv einen Blick hinter die Kulissen

ermöglichen und ihm ein Nest zeigen konnte, in dem gerade Eier ausgebrütet

wurden. Seine Begeisterung war ansteckend und bleibt mir bis heute in Erinnerung.


Unser Verband engagiert sich für Menschen in Ausbildung und Beruf. Wo sehen

Sie gemeinsame Werte zwischen einem Tierpark und einer Arbeitnehmerorganisation?

Auch der Tierpark Bern bildet aus, insbesondere im Bereich Tierpflege. Für viele

angehende Tierpflegerinnen und Tierpfleger handelt es sich um eine Zweitausbildung. Umso wichtiger ist es uns, faire Löhne und gute Arbeitsbedingungen zu

bieten.


Ein weiterer gemeinsamer Wert ist das Engagement für Menschen und ihre

Entwicklung. Seit Kurzem bildet der Tierpark Bern zudem eine Mediamatikerin

aus. Gerne würden wir künftig auch KV-Lernende ausbilden. Aktuell fehlen

uns dafür allerdings noch die notwendigen räumlichen Kapazitäten.


links: Monika Keller, rechts: Dr. Frederike von Houwald
links: Monika Keller, rechts: Dr. Frederike von Houwald

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