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20 Jahre Contec AG – vom Servicetechnikerzum Mitinhaber

Text: Lilly Toriola, Kommunikationsverantwortliche Wirtschaftsschule Thun


Urs Meinen ist seit Jahren aufgrund von verschiedenen Weiterbildungen immer wieder mit der Wirtschafts-schule Thun verbunden. Nach seiner Lehre als Spengler/Sanitärinstallateur hat er 2004 an der WST die Handels-schule absolviert – «der entscheidende Weichensteller für meinen beruflichen Werdegang», sagt der 47-Jährige. Heute ist Urs «Müdu» Meinen Mitinhaber der Contec AG in Uetendorf.


Dass er einmal Mitinhaber eines KMU mit über 50 Mitarbeitenden sein sollte, hätte sich Urs Meinen in seiner Jugend wohl nicht erträumen lassen. «Ich habe in Steffisburg neun Jahre Realschule besucht », sagt Meinen, der heute in Hünibach

lebt. «Für die Sekundarschule hätte es, das muss ich ganz ehrlich sagen, nicht

gereicht.» In seiner Jugend habe er sich vor allem auf seine damalige Passion, das

Handballspielen, konzentriert. «Und ich hatte halt auch viele Flausen im Kopf»,

sagt Meinen lachend, den viele nicht nur als «Urs», sondern auch unter dem Namen

«Müdu» kennen. Heute, Jahre später, ist der 47-jährige Mitinhaber der Contec AG

in Uetendorf, einem innovativen Unternehmen, das in den letzten 34 Jahren

einen rasanten Aufstieg hingelegt hat und unter anderem auf die Vorkonfek-tionierung von Kautschuk-Abdichtungen für Flachdächer und Gewässer spezialisiert ist. Ein wesentlicher Grund für seinen beruflichen Werdegang sei der Entscheid gewesen, 2004 an der Wirtschaftsschule Thun (WST) das «Bürodiplom B» (heute «Handelsschule kv edupool») zu absolvieren. «Dieser Schritt war in meiner

beruflichen Karriere definitiv der Gamechanger.»


Doch von Anfang an

Nach Abschluss der Realschule absolvierte Urs Meinen bei der Dorf-Spenglerei Lüthi in Steffisburg eine Ausbildung zum Spengler/Sanitärinstallateur.

Eine Doppellehre, die es so heute nicht mehr gibt. «Wir gehörten zum zweitletzten Jahrgang, der diesen Doppelberuf erlernen konnte.» Nach vier Jahren und dem vollwertigen Abschluss beider Berufslehren blieb er zunächst bei seinem

ehemaligen Lehrbetrieb. «Ich war hauptsächlich im Sanitärservice tätig,

was mir sehr gut gefallen hat», erinnert sich Meinen. Jeden Tag an drei, vier

verschiedenen Orten im Einsatz zu sein, neue Leute kennenzulernen, viel Abwechslung; das habe ihm zugesagt.


Der Gamechanger

Nach anderthalb Jahren gab es im Sechs-Mann-Betrieb schliesslich nicht mehr genügend Arbeit, worauf sich Meinen auf Anraten seines ehemaligen Lehrmeisters bei der Firma «Gyger Flachdachbau AG» bewarb. Kurze Zeit später konnte er beim Unternehmen in Heimberg anfangen. Gleich daneben war zu jener Zeit auch die «Contec AG» beheimatet – 1992 von Erwin Gyger, dem Mitinhaber von Gyger Flachdachbau AG gegründet. «Ich war damals als 22-Jähriger beeindruckt von den ‹Büezern› der Contec AG. Alle fuhren diese grossen schwarzen Pickups und waren total cool», erinnert sich Meinen lachend, «dort wollte ich es unbedingt auch hinschaffen.» Doch bevor es so weit war, arbeitete er noch während vier Jahren als Spengler für die Gyger Flachdachbau AG auf verschiedenen Baustellen. «Das hat mir

sehr gefallen, da ich auch hier viel herumkam.»

Nichtsdestotrotz habe er mit der Zeit gespürt, dass er nicht sein ganzes Leben auf dem Bau arbeiten konnte, da er mit immer stärkeren Rückenproblemen zu kämpfen hatte. 2004 startete er an der WST deshalb die einjährige berufsbegleitende Ausbildung «Bürodiplom B» – allerdings noch ohne konkretes berufliches Ziel. Ein knappes halbes Jahr nach Schulstart wechselte er zur Contec AG als Servicetechniker und Produktionsmitarbeiter, inklusive schwarzem Pickup.

Schnell stellte sein damaliger Vorgesetzter fest, dass Urs Meinen zwar gerne auf den Baustellen, aber noch lieber im Büro war, um Rapporte auszufüllen oder Rechnungen zu schreiben. Es dauerte deshalb nicht lange, bis er mit 28 Jahren das Angebot erhielt, in den Kundendienst/Innendienst zu wechseln. «Ich zögerte, ob ich diesen Schritt wirklich gehen sollte. Denn ich hätte damit den Nissan abgeben müssen», sagt Meinen lachend. Nicht nur der geliebte Pickup, auch das unterwegs Sein in der ganzen Schweiz, befürchtete er, würde ihm im Büro fehlen. «Es war die Abwechslung, die ich bei allen Jobs in der Vergangenheit geschätzt hatte.» Zum Wechsel ins Büro motiviert habe ihn schliesslich sein neun Jahre älterer Bruder. «Er hat zu jener Zeit viel grössere berufliche Schritte gemacht, was mich inspirierte.» Und so wechselte Meinen schliesslich, dank seiner Weiterbildung an der WST, von der Baustelle ins

Büro, wo es ihm entgegen den anfänglichen Zweifeln sehr gut gefiel.


Nur gerade anderthalb Jahre später stand bereits der nächste Wechsel an: 2009 erhielt er ein Jobangebot als Aussendienstmitarbeiter der Contec AG – eine Stelle, die er bei seiner Bewerbung als Servicetechniker vier Jahre zuvor als Traumjob angegeben

hatte, und die es schliesslich auch werden sollte. Zehn Jahre lang war Urs Meinen in

der Folge als Aussendienstmitarbeiter der Contec AG für die Region Basel zuständig:

«Ich habe meinen Job als Aussendienstmitarbeiter wirklich geliebt.» 2013 entschied er sich, seine praktische Erfahrung im Verkauf mit einem theoretheoretischen Fundament zu untermauern und startete die Weiterbildung zum Marketing-und Verkaufsfachmann, die ihn wiederum an die WST zurückführte. Ein halbes Jahr nach dem erfolgreichen Abschluss beider eidgenössischer Fachausweise folgte der nächste Karriereschritt: Urs Meinen wurde 2015 Verkaufsleiter der Contec AG und drei Jahre später erweitertes Mitglied der Geschäftsleitung.



Herausforderung Corona

Ab 2018 äusserte der Gründer und damalige Inhaber Erwin Gyger den Geschäftsleitungsmitgliedern gegenüber erste Verkaufsabsichten. «Es handelte sich

damals noch eher um lose Diskussionen», erinnert sich Urs Meinen. Anfang 2020

ging Gyger auf eine längere Töff-Reise durch Südamerika, mit dem Ziel, die Geschäftsleitung «einfach mal machen zu lassen» und nach seiner Rückkehr einen

möglichen Verkauf zu konkretisieren – nicht ahnend, dass er nur wenig später

wegen Corona dort stranden würde. Der Lockdown schüttelte die Firma in der

Folge ziemlich durch. «Wir hatten auf einmal keine Aufträge mehr, mussten Kurzarbeit anmelden und die Produktion in eine Früh- und Spätschicht splitten.

Homeoffice, was für uns vorher undenkbar gewesen wäre, war plötzlich Normalität.

» Im Sommer 2020, als sich nach dem ersten Lockdown auch der erste Schock

gelegt hatte, nahm Erwin Gyger die Verkaufsgespräche mit den damals fünf

Geschäftsleitungsmitgliedern wieder vertieft auf. «Das war eine relativ anspruchsvolle

Zeit», erinnert sich Meinen. Einerseits mussten sich die einzelnen Geschäftsleitungsmitglieder bewusst werden, ob sie sich einen Kauf vorstellen

konnten, aber auch Finanzierungsmöglichkeiten und -varianten mussten

abgeklärt werden. «Mit der Zeit kristallisierte sich heraus, dass sich nebst mir

auch Philipp Heiniger, Leiter Administration, und Heinz Sigrist, Leiter Betrieb,

einen solchen Schritt vorstellen konnten. Wir sind alle drei seit mindestens

20 Jahren bei der Contec AG tätig und waren immer ein starkes Team», sagt

Meinen. Allen drei GL-Mitgliedern war zudem auch schnell klar, dass sie sich zu

dritt in gleichen Teilen am Unternehmen beteiligen wollten.


Ein intensives Jahr

Die Übernahme klappte, am 12.8.2022 – auf den Tag genau 30 Jahre nach der

Firmengründung – wurden die drei schliesslich im Handelsregister als neue

Inhaber der Contec AG eingetragen. 2022 war wirtschaftlich betrachtet jedoch ein

anspruchsvolles Jahr – die Nachwirkungen aus der Corona-Krise machten sich

deutlich bemerkbar, die Weltwirtschaft geriet ins Stocken, die Rohstoffpreise

stiegen, der jüngst ausgebrochene Ukraine-Krieg verschärfte die bestehenden

Probleme zusätzlich. «Das war keine einfache Zeit für eine Firmenübernahme,

da gleichzeitig auch die Zinsen in die Höhe schossen», so der heutige Mitinhaber.

Vor dem Kauf habe er nicht wenige schlaflose Nächte verbracht. «Rückblickend

betrachtet, haben sich diese aber gelohnt, der Kauf hat sich als absolut richtiger Schritt erwiesen.» 2023 folgte die Übernahme der Contec Deutschland GmbH, bei der Meinen als Geschäftsführer eingetragen wurde.


Sprung in die USA

Vom Servicetechniker zum Mitinhaber von zwei Firmen, da könnte man sich nun

durchaus etwas zurücklehnen. Doch wer Urs «Müdu» Meinen kennt, weiss, dass

das nicht sein Ding ist. «Wir stehen kurz davor, unser PV-Unterkonstruktionssystem

für EnergieGrünDächer ‹Contec.greenlight› in den USA auf den Markt zu bringen.» Nebst 14 Ländern in Europa, wo die Unterkonstruktion bereits erhältlich ist, soll dies ein weiterer Meilenstein in der Contec-Geschichte werden. In den nächsten Monaten stehen somit zahlreiche Verhandlungen und Abklärungen an.

 
 
 

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