Qualifikationsverfahren im Detailhandel: Zweiter Durchgang, erste Bilanz
- Karin Burkhard

- vor 7 Stunden
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Das zweite QV für Detailhandelsfachleute (DHF) nach neuer Bildungsverordnung steht vor der Tür. Die Aufregung ist diesmal etwas geringer als beim ersten Durchgang, ganz verschwunden ist sie allerdings nicht.
Nach den Prüfungen 2025 lässt sich deutlich besser einschätzen, was die Lernenden erwartet. Die Prüfungsformate sind konsequent auf Handlungskompetenzen ausgerichtet: Im Handlungskompetenzbereich A analysieren die Kandidatinnen und Kandidaten beispielsweise ein vorgegebenes Video einer nicht optimal verlaufenden Verkaufssituation, zeigen Verbesserungsmöglichkeiten auf und begründen ihre Vorschläge. Ergänzt wird dieser Teil durch Verkaufsgespräche in einer Fremdsprache. Im Handlungskompetenzbereich B stehen anspruchsvolle Entscheidungssituationen im Zentrum: Die Lernenden beschreiben und begründen Massnahmen, die sie in vorgegebenen schwierigen Situationen ergreifen würden. Im Bereich D wiederum geht es um das Priorisieren von Aufgaben, ebenfalls mit klarer Begründung. Hinzu kommen Präsentationen sowie die Schlussprüfungen in der Allgemeinbildung und drei schriftliche Prüfungen.
Die Bilanz des ersten QV fällt insgesamt positiv aus: Inhaltlich erwiesen sich die Prüfungen als machbar, die Erfolgsquote war hoch. Besonders deutlich zeigt sich der Vorteil der Handlungskompetenzorientierung. Die Lernenden können auch im schulischen QV auf ihre betriebliche Erfahrung zurückgreifen. Dieser Ansatz kommt vielen entgegen und stärkt die Nähe zur Praxis.
Dennoch bringt das neue Format auch Herausforderungen mit sich. Für manche Lernende ist es anspruchsvoll, die geschilderten Prüfungssituationen auf die eigene Branche zu übertragen. So fiel es anfangs schwer zu erkennen, dass eine Reklamation in einer Autogarage auch für eine Lernende aus der Modebranche lösbar ist. Erst mit viel Übung gelingt es, die Problemstellung aus dem Text herauszuschälen und auf den eigenen Arbeitskontext zu übertragen.
Eine zusätzliche Hürde stellt das hohe Mass an Leseverstehen dar. Jeder Prüfungsteil beginnt mit einer ausführlichen Fallbeschreibung, die zuerst erfasst werden muss. Etliche Lernende benötigen dafür viel Zeit – Zeit, die bei der Ausarbeitung der Lösung fehlt.
Neben den inhaltlichen Aspekten ist die Organisation anspruchsvoll. Jede Kandidatin/jeder Kandidat absolviert neben drei schriftlichen Prüfungen fünf mündliche Teilprüfungen. Hochgerechnet auf die Anzahl Lernender ergibt dies über 1000 Einzelprüfungen, die sorgfältig geplant werden müssen. Jede Prüfung wird von zwei fachspezifischen Expertinnen oder Experten abgenommen. Entsprechend komplex ist die Koordination von Terminen, Prüfenden und Räumen, ohne dass es zu Überschneidungen kommt.
Mit Blick nach vorne steht bereits die nächste Etappe an: Die Fünfjahresrevision der Verordnung beginnt in Kürze. Erste Rückmeldungen aus den Schulen zeigen, in welchen Bereichen sich das QV bewährt und wo Optimierungspotenzial besteht. Der kontinuierliche Verbesserungsprozess wird entscheidend sein, damit die Detailhandelsberufe auch in Zukunft attraktiv und anerkannt bleiben.
Ursula Stauffacher, regionale Prüfungsleiterin bsd. Bern



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