Karriereweg & Führungsverständnis
- Karin Burkhard

- 12. Feb.
- 4 Min. Lesezeit
Im Gespräch mit Maya Weber Hadorn über ihren Karriereweg und ihr
Führungsverständnis.
Sie leiten heute das Bildungscenter von BERNMOBIL. Wie würden Sie Ihre Rolle in wenigen Sätzen beschreiben?
Ich bin verantwortlich für die betrieblichen Aus- und Weiterbildungen bei BERNMOBIL, also für die Aus- und Weiterbildungen für Tram-, Bus- und Trolleyfahrer:innen etc. Wir sind insgesamt ein Team von über 30 Personen, die
tagtäglich für die Fahrqualität von BERNMOBIL arbeiten.
Was begeistert Sie an Ihrer Arbeit im Bildungsbereich und an der Arbeit mit Menschen?
Wir haben jüngere und ältere Menschen, die wir ausbilden. Da es sich um eine Zweitausbildung handelt, kommen unsere Fahrer:innen aus ganz unterschiedlichen
Berufen und mit vielseitigen Erfahrungen. Wir haben ehemalige Lastwagenfahrer:
innen, aber auch Bäcker:innen, Pfarrer:innen oder Professor:innen, die bei uns fahren. Viele arbeiten auch Teilzeit und haben daneben noch eine andere Einkommensquelle. Dieser Erfahrungsschatz, diese Vielseitigkeit und all die Geschichten hinter diesen Menschen, fasziniert mich noch immer jeden Tag. Ich bin begeistert, wenn ich höre, wie und weshalb eine Person zu uns gekommen ist.
Daneben begleitet mich die Bildung schon ein Leben nach, getreu dem Motto: Wir
lernen jeden Tag etwas Neues.

Wie beginnt üblicherweise Ihr Arbeitstag – gibt es feste Routinen oder startet jeder Tag anders?
Es gibt keine Routine, jeder Tag beginnt anders, manchmal im Büro, manchmal im Tramdepot bei einem Gespräch, im Homeoffice oder direkt im Schulungsraum.
Welche Aufgaben bestimmen Ihren Führungsalltag am stärksten?
Das ist eine schwierige Frage. (Denkt nach.) Da ich das Bildungscenter als Ganzes führe, gibt es immer wieder andere Führungsaufgaben und keine Routine. Manchmal muss ich mich mit Budget- und Personalplanungsfragen auseinandersetzen, anderntags sind es konkrete operative Dinge wie ein Audit oder das Erstellen einer Präsentation für unsere Ausbildungen. Manchmal bin ich an der Planung von konkreten Bildungsmassnahmen beteiligt, manchmal an der Evaluation von neuen Referent:innen, dann wiederum an der Koordination zwischen verschiedenen Stellen oder an Sitzungen mit dem Leitungsteam.
Welche Situationen im Alltag fordern Sie besonders heraus – und wie gehen Sie damit um?
Für mich sind es immer zwischenmenschliche Dinge, die mich am meisten
fordern resp. auch Energie rauben oder geben. Mir ist es wichtig, dass sich
Mitarbeitende wohlfühlen im Job und so ihren Beruf optimal und mit Freude
ausüben können. Oft braucht es dafür Gespräche, Austausche und eine gute
Kommunikation.
Welche Werte prägen Ihren Führungsstil?
Ich gebe gerne Vertrauen und kontrolliere nicht jedes Detail. Ich gehe davon aus,
dass all meine Mitarbeitende ihr Fach beherrschen und ihren Arbeitsalltag gut
und sorgfältig bewältigen. Daneben führe ich partizipativ und versuche ein gutes
Klima im Team zu halten.
Was bedeutet für Sie Vertrauen in der Führung, und wie leben Sie dieses im Alltag?
Für mich ist Vertrauen zentral. Es ist eine Haltung. Ich weiss, dass alle meine
Mitarbeitenden sorgfältig und mit aller Kraft arbeiten. Ich versuche nicht auf Fehlern rumzuhacken, sondern vorwärtszuschauen und Freude an der Arbeit zu
vermitteln.
Wie gehen Sie mit Fehlern im Team und auch mit eigenen Fehlern um?
Fehler sind für mich nicht schlimm. Wir lernen daraus. Zentral finde ich, dass man
hinschaut, warum ein Fehler passiert ist, und dass die entsprechenden Massnahmen
ergriffen werden, dass dieselben Fehler nicht wieder passieren. Mich stimmt es jeweils sehr nachdenklich, wenn über Tage und Wochen auf Fehlern
rumgehakt wird.
Welche Rolle spielt die Förderung und Weiterentwicklung Ihrer Mitarbeitenden in Ihrer Führungsphilosophie?
Damit sich jede einzelne Person im Arbeitsalltag wohlfühlt, braucht es Weiterentwicklung. Bei einigen mehr, bei anderen weniger. Wie schon erwähnt,
können meine Mitarbeitenden immer wieder kürzere oder längere Weiterbildungen
besuchen. Im operativen Tagesgeschäft bei BERNMOBIL begleiten wir uns oft gegenseitig, um voneinander zu profitieren, zu lernen.
Wie sind Sie ursprünglich in eine Führungsrolle gekommen?
Als Lehrerin war ich schon zu Beginn weg in einer «Führungsrolle». Mir gefällt
jedoch die Erwachsenenbildung besser als mein ursprünglicher Beruf als Primarlehrerin.
Die Erwachsenen bei BERNMOBIL sind fast ausschliesslich freiwillig im
Beruf und somit auch freiwillig in unseren Aus- und Weiterbildungen. Der
grösste Teil will etwas lernen. Sie sind intrinsisch motiviert und haben es selbst
gewählt. Heisst: Die Motivation der Erwachsenen ist eine ganz andere.
Gab es einen prägenden Moment oder eine Person, die Sie ermutigt hat, Führung zu übernehmen?
Es war ein schleichender Weg, von mehr Verantwortung übernehmen und immer
grösseren Teams. Es gab nicht die eine Person oder der eine Moment. Aber es gibt
Menschen, die mich als Führungspersonen geprägt haben, von denen ich
abgeschaut habe, die ich als Vorbilder nehme. Das Gegenteil gibt es auch: Ich
hatte einmal eine Chefin, die derart detailversessen war, sodass ich über Wochen Präsentationen schreiben und umschreiben musst… das war nicht lustig und hat mir klar gezeigt: So kontrollierend führe ich sicher nicht.
Was hat Sie auf Ihrem Weg besonders überrascht – positiv oder herausfordernd?
Führung braucht Zeit. Das dürfen wir nicht unterschätzen. Wer neben dem Tagesgeschäft noch so «ein bisschen» ein Team führen will, ist auf dem Holzweg.
Ich würde meinen, dass eine Führungsperson rund 50% oder mehr ihres
Arbeitsalltages in die Arbeit mit und im Team einbringen muss. Und Führungsarbeit
lebt eben auch vom kurzen Schwatz am Drucker, von einem gemeinsamen Kafi, der Rückfrage, wie das Weekend war, und auch mal einem spontanen Lob.
Welche Erkenntnis hätten Sie gerne schon zu Beginn Ihrer Führungskarriere gehabt?
Die Balance zu kennen zwischen Empathie, Verständnis, aber auch mal dem
Durchsetzen und Einfordern. Für mich noch heute ein Spagat.
Welche Entwicklungen werden die Führung in Ihrem Bereich in den nächsten Jahren prägen?
Das Führen auf Distanz bleibt sicher bestehen. Daneben ist nicht ganz klar, wie
sich der öffentliche Verkehr tatsächlich weiterentwickelt. Braucht es zukünftig
noch Chauffeusen und Chauffeure oder wird nur noch eine virtuelle Überwachung
der selbst fahrenden Fahrzeuge von irgendwoher verlangt? Falls dem so wäre, würden die Arbeiten des Bildungscenters sehr ändern.
Welche Themen liegen Ihnen besonders am Herzen, wenn Sie in die Zukunft schauen?
Neben all dem, was KI für uns «übernehmen» wird, darf die menschliche Seite,
das Interagieren miteinander, das Spüren, Wahrnehmen und miteinander Lachen,
nicht wegfallen. Das wäre ein Riesenverlust.
Wenn Ihr Team Ihre Führung in drei Worten beschreiben müsste: Welche wären das Ihrer Einschätzung nach?
Mhmmm…. (denkt nach), diese Frage müsste man ihnen stellen. Ich denke:
Verantwortung, Respekt, offenes Ohr.
Vielen Dank liebe Maya, für diesen inspirierenden Austausch.










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