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Wenn Recht auf KI trifft

Seit 2024 setzen wir beim Kaufmännischen Verband Bern in unserer Beratung mit Omnilex auf eine spezialisierte KI-Fachanwendung, die uns im Arbeitsalltag gezielt unterstützt. Insbesondere beim Aktenstudium sorgt sie für mehr Effizienz und hilft, Infor-mationen rasch zu strukturieren und aufzubereiten. Gleichzeitig ist klar: Die KI ergänzt unsere Arbeit – sie ersetzt sie nicht. Fachliche Einschätzungen, Erfahrung und der persönliche Aus-tausch bleiben zentrale Pfeiler unserer Beratung. Um mehr über die Anwen-dung, ihre Möglichkeiten und auch ihre Grenzen zu erfahren, haben wir unsere brennendsten Fragen gestellt – und Ismael Seck, COO & Co-Founder von Omnilex, stand uns dazu Rede und Antwort.




Was unterscheidet eine juristische KI von ChatGPT & Co.?
Ismael Seck, COO & Co-Founder von Omnilex

Tools wie ChatGPT sind im Kern statistische Modelle: Sie versuchen vorherzusagen, welches Wort als nächstes am wahrscheinlichsten folgt, basierend auf dem, was bereits generiert wurde. Für alltägliche Aufgaben funktioniert das erstaunlich gut. Bei juristischen Themen stösst dieser Ansatz jedoch schnell an seine Grenzen, weil Rechtsfragen präzise Quellen, aktuelle Gesetzeslagen und spezifische Entscheide erfordern, nicht statistische Wahrscheinlichkeiten. Omnilex ist grundlegend anders aufgebaut: Die Plattform hat direkten Zugang zu allen relevanten Rechtsdaten, darunter Gesetze, Gerichtsentscheide, Gesetzes-kommentare und interne Falldaten. Die KI antwortet nicht aus einem

allgemeinen Sprachgefühl heraus, sondern gestützt auf konkrete, verifizierte

Rechtsquellen.


Wie wird sichergestellt, dass die KI zuverlässig ist?

Das zentrale Problem bei allgemeinen KI-Tools sind sogenannte «Halluzinationen»: Die KI erfindet Informationen, die plausibel klingen, aber schlicht falsch sind. In der juristischen Praxis ist das besonders gefährlich. Es gab bereits mehrere aufsehen-erregende Fälle, in denen Anwältinnen und Anwälte Gerichtsentscheide zitierten, die so nie existiert haben, weil sie blindlings auf KI-Outputs vertraut hatten.

Omnilex begegnet diesem Problem durch einen klaren Grundsatz: Die KI trifft

keine Aussagen, die nicht explizit durch die hinterlegten Rechtsdaten gedeckt sind. Jede Antwort ist auf nachvollziehbare Quellen zurückführbar, und wo keine gesicherte Grundlage besteht, sagt das System das auch so.


Wie funktioniert eine juristische KI?

Vereinfacht gesagt läuft im Hintergrund Folgendes ab: Eine Frage oder ein Fall wird eingegeben und von der KI analysiert. Anschliessend werden die relevanten Datenbanken zusammengeführt, also Gesetze, Entscheide, Kommentare und weiteres. Dabei wird auch die beratende Person selbst als Wissensquelle einbezogen: Da ich als Beraterin oder Berater oft mehr Kontext zu einem Fall kenne als die KI, stellt sie bei Unklarheiten auch gezielte Rückfragen.

Mit all diesen Informationen wird das Recht auf den konkreten Fall angewendet und das Ergebnis in der gewünschten Struktur ausgegeben. Es ist kein passives Werkzeug, sondern ein interaktiver Prozess, bei dem Mensch und Maschine zusammenarbeiten.


Welche Tätigkeiten bleiben in der juristischen Beratung weiterhin klar menschlich?

Vieles, das auf den ersten Blick selbstverständlich wirkt, wird in der Debatte oft unterschätzt. Allen voran der persönliche Menschenkontakt: Eine Klientin, die in einer schwierigen Situation steckt, braucht jemanden, der zuhört, einordnet und Vertrauen schafft. Das kann keine KI leisten.

Ebenso bleibt das finale Urteil menschlich: Die KI liefert Recherche und

Grundlagen, aber die Abwägung, welche Strategie in einem konkreten Fall

richtig ist, liegt beim Menschen. Und nicht zuletzt erfordert auch die Auswahl

und der verantwortungsvolle Einsatz der richtigen KI-Plattform juristische

Kompetenz und kritisches Denken.


Welche Entwicklungen sehen Sie in den nächsten drei Jahren?

Der grösste Schritt wird der Übergang von reaktiven Tools zu echten

KI-Agenten sein: Systeme, die nicht nur auf Fragen antworten, sondern

eigenständig Vorarbeit leisten. Konkret bedeutet das: Ich komme morgens zur

Arbeit und die KI hat bereits relevante Entwicklungen gesichtet, Dokumente

vorstrukturiert oder erste Entwürfe erstellt, die ich dann prüfe, anpasse und

weiterdelegiere.

Das verändert den Arbeitsalltag grundlegend, nicht im Sinne von Ersatz,

sondern von Entlastung. Die juristisch beratende Person wird zur Instanz, die

KI-Outputs bewertet, weiterentwickelt und verantwortet. Wer diesen Wandel

früh mitgestaltet, wird einen deutlichen Vorsprung haben.


Weitere Infos: omnilex.ai



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